Geschwister von Menschen mit Behinderung – ein paar Gedanken

Ich schreibe heute ein paar Gedanken zu einem sehr emotionalen Thema auf… Der Anlass ist eigentlich ein schöner: Ich habe von meinem Vater ein Bild von meinem Bruder geschickt bekommen, wo er total gute Laune hat und etwas Witziges gemacht hat. Aber gerade das Schöne bringt mich immer so sehr zum Weinen, ich weiß gar nicht, warum. Vielleicht weil ich ihm ein Leben mit all den Möglichkeiten wünsche, die ich habe. Natürlich ohne all die Probleme. Aber eben ein Leben, in dem ihm alle Türen offenstehen und er sich entfalten kann, wie jeder andere auch.

Aufwachsen mit einem behinderten Bruder

Mein Bruder ist jünger als ich und hat eine starke geistige Behinderung und autistische Züge. Über die Kindheit will ich gar nicht viel schreiben, weil es da viel Trauriges und Ambivalentes gab und ich lange gebraucht habe, um das ganze Ausmaß zu erfassen und meine Gefühle zu sortieren. Ich musste erst sehr früh ausziehen und meine eigenen Probleme in den Begriff bekommen, um zu merken, wie sehr ich meinen Bruder liebe und wie unglücklich ich tief im Herzen bin und immer sein werde, wenn ich mich damit auseinandersetze.

Es gibt mittlerweile spezielle Bücher über Kinder mit behinderten Geschwistern, sogar Seminare und psychotherapeutische Ansätze. Eines dieser Bücher habe ich mir vor ca. 5 Jahren mal gekauft. Ich konnte es leider bis heute nicht lesen. Es macht mich zu traurig. Diese Traurigkeit hat ganz viele Ursprünge. Eigentlich ist es viel zu komplex, um es kurz aufzuschreiben, man ist gefangen in ganz vielen verschiedenen Gedankenmustern. Das Dominierende ist einfach das Bedauern, dass der Mensch, den man so sehr liebt, in unserer „normalen“ Gesellschaft, in „unserem“ Leben am Rand steht. All die Möglichkeiten, die ich habe, hat er nicht. Damit sind gar nicht gesellschaftliche oder politische Dinge gemeint, sondern ganz einfache, private, persönliche – z.B. Freunde haben, eine Beziehung haben, sich austauschen so wie ich es tun kann, Entscheidungen treffen. Wenn man jemanden liebt, wünscht man ihm das größtmögliche Glück. Aber wahrscheinlich muss ich immer wieder mit einbeziehen, dass meine Definiton von Glück nicht seine ist.

Das zweite Thema ist das Beschützenwollen. Wenn ich unterwegs sehe, wie Leute sich umdrehen oder Bemerkungen fallen lassen, könnte ich durchdrehen. Meinen Eltern wurde mal ins Gesicht gesagt „Sowas hätte man früher vergast!“ – Ich wäre ausgeflippt und hätte die Polizei gerufen und die Leute in Grund und Boden geklagt. Wie Leute, die keine Ahnung haben, so respektlos sein können, macht mich rasend und traurig. Aber damit leben zu müssen, das nicht verhindern zu können, ist echt schwer. Verantwortung ist ein weiter wichtiger Punkt. Manchmal denke ich mir, ich sollte aufhören zu rauchen, damit ich alt werde und mich später um ihn kümmern kann.

Schuldgefühle kommen auch dazu. Ich habe oft gedacht, meine Intelligenz nicht verdient zu haben oder dass ich meine Potentiale nicht richtig nutze. Gerechtigkeit ist mir so wichtig – und es gibt sie in solchen Fällen eben leider nicht.

„Behinderung ist keine Krankheit“ – Was ist es dann?

Ich bin Geisteswissenschaftlerin und habe mich viel mit Autismus beschäftigt, Behinderte betreut und hundert Bücher dazu gelesen. Und ich finde keine „richtigen“ Worte und Erklärungen. Der Satz „Behinderung ist keine Krankheit“ fällt immer öfter, aber ich kann nicht sagen, wie ich dazu stehe. „Barrierefrei“ ist eines der Wörter, die für mich nur gutgemeinte Schönfärberei sind: Barrierefrei ist niemandes Leben, erst Recht nicht das von Rollstuhlfahrern. Ich finde es nicht diskrimierend, das Wort „rollstuhlgerecht“ zu benutzen. Ich weiß, dass mit „barrierefrei“ auch andere Barrieren gemeint sind, aber ich finde das Wort utopisch und nicht sinnvoll. „Behinderter“ sagt man auch nicht mehr, sondern „Menschen mit Behinderung„. Das finde ich gut, wenn auch etwas umständlich. Inklusion statt Integration ist der neue Ansatz der letzten Jahre, wenn es um das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung geht. Finde ich in seiner politischen Aussage sehr richtig. Muss aber dennoch mit Leben gefüllt werden.

Was mir immer wieder klar wird: Ich weiß nicht, wie man richtig darüber spricht und all die intellektuellen Konzepte dazu überfordern mich. Und Worte allein, so inklusiv sie sind, sagen noch nichts über die wahre Einstellung aus oder über das, was Menschen tun. Mir ist wichtig, was das Herz sagt und tut, nicht so sehr, wie der Kopf es nennt. Wenn jedoch Menschen in meiner Gegenwart das Wort „behindert“ als Schimpfwort (oder Spasti) benutzen, werde ich traurig und manchmal auch wütend.

Warum es ein Lebensthema ist

Leider kann man all das Außenstehenden schwer erklären. Ich kann ohne Probleme 2 Stunden darüber weinen, dass mein Bruder diese „Behinderungen“ hat, auch wenn ich das seit einem Vierteljahrundert weiß.

Es ist definitiv ein absolutes Lebensthema. Viel Schönes und auch manchmal große Sorgen gehören dazu, und viele starke Gefühle, die man wohl nie richtig verarbeitet. Ich bin da sehr emotional. Ich habe leider noch nie mit anderen Geschwisterkindern darüber gesprochen und weiß gar nicht, ob es anderen auch so geht und ob es „normal“ ist, innerlich so traurig deswegen zu sein. Ich bin es leider, aber ich kann natürlich sehr gut damit leben und bin sogar dankbar dafür, denn es treibt einen ja auch an. Was nur wirklich schwer ist, nie zu wissen, wie glücklich er ist und wie es ihm wirklich geht. Wir leben einfach in anderen Welten, und man kann oft nur mutmaßen. Nicht zu wissen, ob man etwas besser machen kann oder wie die Zukunft aussieht, ist fürchterlich. Aber das muss man mit aushalten, weil es nicht zu ändern ist.

Das Gute an allem

Das außer Konkurrenz Beste ist natürlich er. Ich glaube, solche Menschen liebt man doppelt. Und es kann auch die eigene Persönlichkeit bereichern. Ich bin sehr empathisch und habe einen starken Kämpfergeist, wenn es um Prinzipien geht, die mir wichtig sind. Ich kann sehr straight sein und für meine Prinzipien auch große Nachteile in Kauf nehmen, denn sie sind mir dann mehr Wert als Äußeres oder Materielles. Ich kann gut Rücksicht nehmen, zurückstecken und andere da abholen, wo sie stehen. Und ich habe den Drang, zu helfen und brauche Aufgaben, die mich mit einem Sinn ausfüllen. Das sind Dinge, die mich vorantreiben und mir Kraft geben.

 Ps: Autismus ist nicht „spannend“

Was mir noch am Herzen liegt, weil ich schon einige verletzende Situationen erlebt habe: Autismus ist keine spannende Attraktion. Oft höre ich ganz bewundernd: „Oh, ja Autismus ist ja wirklich interessant!“- und ich wurde tatsächlich schon gefragt, ob mein Bruder „Kunststücke kann“.

Autisten sind nicht Rain Man, auch wenn es welche mit einer Hochbegabung gibt. Aber das sind Ausnahmen. Autismus ist mehr als Rain Man und mehr als Genies, die wir im Fernsehen sehen. Menschen mit Autismus haben im Gegenteil leider oft sehr große Probleme, mit der Welt um sie herum klarzukommen. Viele haben dazu noch eine geistige Behinderung und sprechen nicht. Hollywood sieht leider anders ist, auch wenn Autismus natürlich auf jeden Fall sehr interessant ist. Ich habe mindestens 50 Bücher darüber zuhause. Aber leider ist das gängige Bild ziemlich einseitig und oberflächlich.

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Beeindruckende, tolle Doku: „Opas Schatz“

Ich habe heute ein echt beeindruckende und wunderschöne Doku gesehen, die mich echt berührt hat und wo ich nur sagen kann: Respekt, Jungs!

Opas Schatz

Zwei Freunde haben eine Mission: Der Großvater des einen hat sein Leben lang vom „Schatz im See“ erzählt. Die Familie lebte seit mehreren hundert Jahren in einer deutschen Kolonie in Lettland. 1939 begann die Flucht vor dem Krieg ins heutige Deutschland. Kurz vor der Abreise versenkte der Opa eine Kiste mit dem Familienschatz im See: Ein Kasten voll Gold und Silber.

Er erzählte immer wieder nicht nur vom Schatz, sondern auch viel von der früheren Heimat. Und nach seinem Tod hatte sein Enkel eine Idee: Er baut ein U-Boot und taucht den See ab.

Und nun wird´s toll: Sie haben tatsächlich ein U-Boot gebaut und sind damit nach Lettland gefahren! Nicht nur wegen der Schatzsuche eine spannende Reise: Sie haben vor allem Vergangenheit, alte Wurzeln und nette Menschen getroffen. Und sicher auch ein Stück von sich selbst gefunden.

opschatz

Hier kann man die Doku kostenlos in der NDR-Mediathek sehen!

Mich haben die beiden echt beeindruckt…. Und ich kann diesen Drang, ein Stück Vergangenheit in sich selbst zu retten, sehr sehr gut verstehen. Und natürlich sind nicht Gold und Silber der Schatz, sondern das, was im Innern passiert.

Liebster Award – nun auch mein Blog :)

Das neue Jahr fängt für meinen Blog schön an: Er wurde von Jasmin von Go veg! für den Liebster Award nominiert!

Der Liebster Award ist eine Art „Wanderpokal“, der an kleine Lieblingsblogs weitergereicht wird (unter 200 Follower). Das Schöne daran: Man kann auf diesem Weg etwas über sich selbst erzählen und über andere erfahren, da immer ein kleiner Fragebogen „mitreist“. Und man kann andere Blogs empfehlen und bekannter machen, indem man sie ebenfalls nominiert.

Liebsteraward

Hier sind die Fragen, die ich beantwortet habe:

Seit wann bist Du vegan/vegetarisch?

Mit 13/14 Jahren bin ich Vegetarierin geworden, nachdem ich Reportagen im Fernsehen über Tiertransporte, Massentierhaltung und Ferkelkastrationen gesehen habe… Ich war fassungslos und hatte solche Heulkrämpfe, dass die Entscheidung schnell feststand, nichts mehr zu essen, wofür Tiere sterben mussten. Der nächste logische Schritt zur veganen Lebensweise war mir ein paar Jahre später im Prinzip schon sehr klar, aber leider gab es Ende der 90er noch wenig Alternativen und mein Heißhunger oder Appetit war leider immer wieder stärker, sodass ich mehrmals nach einem halben Jahr oder ein paar Monaten „gescheitert“ bin. Aber alles hat seine Zeit und seinen richtigen Zeitpunkt; 2008 hat es auf einmal Klick gemacht und ich hab über Nacht auf veganes Lebens umgestellt und seitdem auch keinen Tag mehr daran gezweifelt. Der Weg hat also etwas länger gedauert, aber dafür gibt es keinen Rückweg, und das ist gut so 🙂

Was ist Dein Lieblingsrestaurant und wo ist es?

Oh, ein richtiges Lieblingsrestaurant habe ich nicht, da es in der Stadt in der ich lebe zum Glück recht viel vegane Gastronomie gibt. Aber wenn ich meiner Berliner Heimat bin, gibt es 2 Restaurants bzw. Cafés/Bistros, die ich unbedingt empfehlen muss:

Zum einen unbedingt das Café Morgenrot, dort gibt es die absolut leckerste vegane heiße Schokolade und viele leckere vegane Kleinigkeiten und Brunch mit freier Entscheidung über den Preis.

Zum anderen liebe ich yoyo Foodworld; dort gibt es super leckeres veganes Fastfood, allerdings zu einem Großteil aus eigener Herstellung. Also Pommes, Saucen und auch viele der Fleischersätze sind selbstgemacht und einfach nur lecker!

Was ist Deine liebste Süßigkeit?

Ich bin ein absoluter Schokoladen-Junkie und kann ohne Probleme jeden Tag eine Tafel essen 😉 Das versuche ich aber, zu vermeiden und gesündere Alternativen zu essen. Aber trotzdem MUSS Schokolade sein, und meine Lieblingssorten sind Vivani Dunkler Nougat, Naturata Reismilch mit ganzen Mandeln und der Vegobar.

Was magst Du gar nicht essen?

Paprika vertrage ich nicht so richtig und alles, was sehr fettig gekocht oder gebraten ist, liegt mir auch wie ein Stein im Magen.

Welches ist Dein Lieblings-Kochbuch?

Der absolute Klassiker und eine super Grundlage ist meiner Meinung nach „Vegan lecker lecker“ von Marc Pierschel/Roots of Compassion. Es begleitet mich seit vielen Jahren und ich habe mehrere Lieblingsgerichte darin (z.B. der Kokoskuchen, das Pad Thai oder der Tofu Stroghanov!). Aber auch das Buch „Vegan ganz anders“ von Patrick Baboumian mag ich sehr.

In welchem Land hast Du bisher am Besten gegessen?

Da ich keine Weltenbummlerin bin: In Deutschland 🙂

Warst Du letztes Jahr auf Reisen? Wenn ja, wo?

Leider nicht wirklich. Ich habe keine neuen Orte besucht, aber war mehrmals auf Usedom, wo ich sehr sehr gerne bin (Und auch dort in der „Pampa“ gibt es leckere Dinge für Veganer, siehe Link!).

Edit: Oh doch, ich habe kurz neue Orte entdeckt, fällt mir gerade ein! Ich hatte ein kurzes Burgen-Wochenende rund um Köln, das war ganz schön 🙂

Welche Reise planst Du als nächstes?

Leider keine… Da mein Hund schon älter und auch leider immer wieder krank ist und ich ohne Auto lebe, ist Verreisen etwas umständlich bzw. anstrengend. Aber eine Woche Nordseeurlaub in der Nähe von Hof Butenland ist dieses Jahr geplant!

Wo möchtest Du auf jeden Fall noch hin?

Ich habe 2 Sehnsuchtsziele: Ein realistisches, ein sehr fernes:

Schlesien: Meine Ahnenforschung hat mich virtuell nach Schlesien geführt und dort möchte ich unbedingt mal hinfahren und etwas Vergangenheit entdecken; es ist wunderschön dort. Wenn es irgendwie geht, würde ich auch versuchen, mich durch die Breslauer Archive zu forschen.

Tibet: Zu diesem Land habe ich eine ganz besondere Verbindung: wegen der Menschen, der Kultur, der Religion und der wahnsinnig schönen Natur (oder das, was seit der chinesischen Invasion noch übrig ist…). Aber für eine Reise in den Himalaya fehlen mir nicht nur das Geld, sondern auch der Mut 😉

Wo möchtest Du auf keinen Fall nochmal hin?

Was sind Deine Wünsche für 2015?

Ich wünsche mir politisch, dass TTIP verhindert werden kann und die Pegida nur ein kurzer Hype ist, der wieder verschwindet.

Persönlich wünsche ich mir, dass mein Hund wieder gesund wird und die Tierarzt-Odyssee erfolgreich beendet werden kann. Für mich selbst wünsche ich mir, immer im Gleichgewicht zu bleiben und mir und meinem Körper Gutes zu tun.

Und das Allerwichtigste: Dass all meine lieben Menschen gesund und glücklich sind!

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Sooo… und hier kommen nun meine Nominierungen:

  • Homesteadnotes, der Blog mit (nicht nur!) wunderbaren veganen Rezepten Sie hat „leider“ über 500 Follower, wie ich gerade gesehen habe 🙂
  • Weniger bin ich mehr, der Blog über das Experiment gesundes Abnehmen – vegan und ohne Weißmehl/Zucker
  • Red Queen´s Tomb, ein Blog mit den Eigenschaften ökologisch, entspannt, sozial, gesund 🙂
  • reinpflanzlich, ein gemütlicher und facettenreicher Blog über veganes Leben

Falls jemand der Vorgeschlagenen keine Lust darauf, mehr als 200 Follower oder diesen Award schon bekommen hat, dann nehmt es einfach als lieben Gruß 🙂

Und hier nun meine Fragen:

  1. Wie und wann bist du zur veganen Lebensweise gekommen?
  2. Was ist das Schönste am veganen Leben?
  3. Was ist das Schlimmste am veganen Leben?
  4. Welches noch nicht erhältliche Produkt würdest du dir gern vegan zaubern?
  5. Welche positiven gesellschaftlichen Veränderungen im Umweltbewusstsein wünscht du dir für 2025?
  6. Welchen Beruf hättest du gern, warst aber nie verrückt genug, ihn zu ergreifen?
  7. Was ist das Lieblingstier und warum?
  8. Welche Person hat dich als Kind oder Jugendliche beeindruckt?
  9. Welchen Film würdest du wählen, wenn du nur 1 mit auf die einsame Insel nehmen könntest?

Liebe Grüße *Franziska*

Ein paar (Buddha)Basteleien und ein Filmtipp (online)

Gestern bin ich endlich im Urlaub angekommen – ärgerlich, dass er morgen vorbei ist 😉

Aber ich war produktiv und hatte Muße und habe seit längerem mal wieder Schmuck gemacht – und einen kleinen Buddha-Altar aus einem schönen Ziegelstein, den ich unterwegs gefunden habe:

Buddha-Ziegelstein

Ich habe diesen Ziegelstein beim Gassigehen entdeckt und mir gedacht, da könnte man einen kleinen „Altar“ draus machen. Da überall in meiner Wohnung kleine Orte mit Ansammlungen schöner und besonderer Kleinigkeiten zu finden sind (Steine, Figuren, Kastanien usw.), ist er in guter Gesellschaft:

buddha altar

…und etwas Schmuck:

Da ich eine absolute Klunkerkrähe bin, kann ich nie genug Schmuck haben 😉 Diese Armbänder und Ohrringe habe ich gestern gemacht und Perlen mit dem buddhistischen Mantra „Om Mani Padme Hum“ darin untergebracht, weil ich es sehr gerne mag:

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Und: 3 Haselnüsse für Aschenbrödel 🙂

Eine liebe Freundin von mir mag das Märchen genauso gern wie ich, also habe ich uns jeweils einen Anhänger mit „3 Haselnüssen“ gebastelt 😉 – Auf dass unsere Wünsche in Erfüllung gehen und das Glück an unserer Seite ist!

Ich werde ihr einen schönen Brief schicken, der ihr dann wie im Märchen die Haselnüsse irgendwie „in die Arme fallen“ muss. Entsprechende Anweisungen werde ich draufschreiben 😉

anhänger haselnuesse für aschenbrödel

Filmtipp:

Passend zum Urlaubsgefühl, zum Entspannen und Entschleunigen: Hier ein Filmtipp für eine tolle Doku, die ich gestern gesehen habe:

Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

„Wir sparen ständig Zeit. Trotzdem haben wir am Ende immer weniger davon. Warum eigentlich? Im Takt der elektronischen Kommunikationsmittel hetzen wir von einem Termin zum anderen. Doch für die wirklich wichtigen Dinge, wie Freunde oder Familie, scheint die Zeit nicht mehr zu reichen. Florian Opitz untersucht in seinem Dokumentarfilm, wo die Zeit bleibt, die durch unsere moderne Technik eingespart wird.“

Mir hat dieser Film sehr sehr gut gefallen, deswegen kann ich ihn nur empfehlen!

Liebe Grüße *Franziska*

Alles Gute für 2015! …und ein paar Vorsätze :)

Ihr Lieben (un)bekannten Leser, ich möchte allen die das lesen auf diesem Weg ein wunderschönes und vor allem gesundes und glückliches neues Jahr wünschen!

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…Und ich möchte mich auch mal kurz bedanken bei all meinen Besuchern und den vielen lieben Kommentaren und Kontakten, die über diese Seite entstehen 🙂 Ich hoffe, das wird auch auch im neuen Jahr so schön weitergehen. Und da ich einige schöne neue Vorsätze habe, wird es auch weiter einiges zu berichten geben 😉

Im neuen Jahr möchte ich

  • mehr Wasser trinken
  • mehr schlafen (von 6 auf 7 Stunden ist mein Ziel)
  • mehr Obst und Gemüse essen – Hier seht ihr meinen Silvester-/Neujahrseinkauf:

ddr

…ich möchte also noch ein Stück weit gesünder leben und frischer kochen und essen, daher wird es dann hier auch sicherlich ein paar mehr Rezepte geben 🙂

Lasst es euch gut gehen und seit lieb gegrüßt!

*Franziska*

(deren armer Hund jetzt gerade 13 panische Stunden hinter sich hat und die ganz doll hofft, dass die Knallerei bald vorbei ist und Ruhe einkehrt)

25 Jahre Mauerfall – meine Empfindungen als „DDR-Kind“

Nun ist seit 25 Jahren die Mauer geöffnet und die DDR als Staat quasi über Nacht verschwunden. Zum Mauerfall war ich 6 Jahre alt und habe bis zu meinem 20. Lebensjahr in Ostberlin gelebt. Wenn ich jetzt im Fernsehen die  Bilder und Interviews sehe, bin ich immer noch sehr berührt und mir kommen schnell die Tränen, wenn ich die Erleichterung sehe und mir das Ausmaß wieder klar wird. Gleichzeitig macht es mich sehr nachdenklich, denn auch die „Wiedervereinigung“ ist so ein langer, vielfältiger und oft auch ambivalenter Prozess. Deswegen finde ich es sehr wichtig, über solche Themen zu sprechen, zu lesen, zu schreiben und sich an die Vergangenheit(en) und auch die Gegenwart heranzutasten.

Meine DDR-Kindheit: in einer geteilten Stadt aufwachsen

Ich habe das Glück, zu jung gewesen zu sein, um persönliches Unrecht, Gewalt oder sonstiges Leid erfahren zu haben. In meiner Familie sieht das natürlich anders aus: Mein Vater durfte sein Abitur nicht machen, weil sein Vater nicht in der SED war, und konnte nur über Umwege studieren. Die Radarsysteme der NVA haben auch in meiner Familie zu schweren späten Gesundheitsschäden geführt. Bei meinen Großeltern saß einmal wochenlang die Stasi in der Küche. Ich habe Stasi-Akten gesehen, in denen Paketinhalte fotografiert waren von Dingen, die meine Oma in den Westen geschickt hat. Und ich habe natürlich als Kind mitbekommen, dass es eine 2. Welt gibt, jenseits der Mauer. Erste Besuche in Westberlin waren für mich sehr erwartungsvoll und schon als Kind von der Prophezeiung geprägt, dass man dort tolle Dinge kaufen könne. Für mich waren genau 2 Eindrücke prägend als Kind: Ich war verwundert, wie bunt und farbenfroh alles war, „drüben in Westberlin“. Und: Ich konnte nicht verstehen, warum es von jedem Produkt verschiedene Varianten gab. Warum reicht nicht eine Margarinensorte? (Das frage ich mich heute manchmal auch noch). Ansonsten war ich jedoch wenig beeindruckt.

Die Kulissen meiner Kindheit waren zwar nicht wie aus dem Bilderbuch, aber auf ihre Art „großstadtromantisch“: Wir haben auf hässlichen Friedrichshainer Hinterhöfen gespielt, sind über Baustellen geturnt und haben verfallene Häuser erkundet.

Die DDR-Mentalität für Kinder

Meine negativen Erinnerungen oder Gefühle bezogen auf die DDR betreffen die Erziehungsmentalität gegenüber Kindern, die mir sehr deutlich im Kopf geblieben ist und mein Selbstbewusstsein nicht gerade gefördert hat. Und vorweg gesagt: Mit der Wende war ja nicht alles „weg“ – die Konzepte, das Denken und die Mentalitäten blieben ja noch lang bestehen.

Mit 4 Monaten war ich in der Krippe, ab 2 Jahren glaube ich dann im Kindergarten. Meine Erinnerungen setzen sehr früh ein; ich kann mich noch an die Krippe und an den Wänden entlang aufgereihte Gitterbetten sowie den Geschmack von Babybrei erinnern. Der Kindergarten war sehr streng; ich musste gegen meinen Willen Schmalzbrote und Zungenwurst essen und jeden Morgen heiße Milch mit Pelle trinken. Mittagsschlaf auf harten Pritschen, die ich leider auch in der Schule nicht loswurde 😉 Wir hatten aber auch viel Spaß. In der Schule wurde es dann weiter sehr streng: Weiterhin Mittagsschlaf auf Pritschen, weiterhin Essenszwang und Eintragungen ins „Muttiheft“, wenn man nicht aufgegessen hat. Aber die für mich schlimmste Erfahrung war der übermächtige Kollektiv-Gedanke: Das Individuum zählte ihm gegenüber nicht viel. Da ich eine sehr gute, aber auch sehr freche Schülerin war, hatte ich genug Zeit, Blödsinn zu machen. Wurde man bei einer Verfehlung erwischt, wurde es unangenehm: Ich musste mich vor die gesamte schweigende Klasse stellen und beichten, was ich Falsches getan hatte. Ich habe mich oft verloren gefühlt. Allgemein habe ich eine sehr starke Tendenz erlebt, dass „persönliches Leid“ nichts zählt. Zähne zusammenbeißen und durch! Als ich mal durch eine Eisenstange verletzt wurde und eine Platzwunde im Mund hatte, ging keine der Hortnerinnen mit mir zum Arzt. Ich lief Stunden später allein nach Hause, wartete dort noch eine Stunde, bis meine Eltern von der Arbeit kamen und erst dann ging es ins Krankenhaus, wo ich genäht wurde. Auch einige Jahre nach dem Mauerfall, als ich mir als Kind das Handgelenk gebrochen hatte, war ich noch einige Tage damit in der Schule, bis am Wochenende meine Oma, die Krankenschwester war, mich ins Krankenhaus schickte, wo ich dann den Gips bekam. Wir DDR-Bürger waren also alles andere als Mimosen und gejammert werden durfte nicht. Ich erlebe das auch heute noch sehr stark bei meinen Eltern, die wenig Verständnis für Krankheit haben. Dies schlägt sich vor allem in der Arbeitsmentalität wieder, und selbst mir geht es noch so: Wenn ich krank bin und dann auch mal zuhause bleibe, habe ich ein schlechtes Gewissen und kaum die innere Ruhe, entspannt gesund zu werden. Gesund ist eine solche Mentalität nicht; ich glaube aber, sie resultierte auch aus Angst vor Jobverlust oder dem unausgesprochenen Tabu, Schwäche zu zeigen (denn für Schwäche habe zumindest ich als Kind wenig Verständnis oder Fürsorge erlebt, egal in welchen Bereichen).

Aber das Positive daran: Man wurde sehr früh selbstständig und wuchs mit einem modernen Frauenbild auf, denn die zuhausebleibende Hausfrau gab es im Osten kaum.

Die Wende: Befreiung und Entwertung

Der Mauerfall ist bis heute ein hochemotionaler Moment, und das natürlich zu Recht, darüber muss ich gar nicht viel schreiben. Dennoch war es auch ein Moment großer Unsicherheit: Was passiert mit Geld, Beruf und Zukunft? Viele haben viel verloren; zum Beispiel ihre Jobs – und standen dann vor dem Nichts. Und hinzu kam eine plötzliche Entwertung von allem, was man gewöhnt war und was zu einem gehörte. Auf einmal war alles schlecht: Der Osten rückschrittlich, unmodern, primitiv und hässlich. Und natürlich ist da auch was dran – unsere Tapeten waren hässlich, wir hatten kein Telefon, wir hatten nicht die schönsten Anziehsachen, aber trotzdem: Auch auf einem hässlichen Fußboden kann ein Kind laufen lernen und auch ohne viel Konsum glücklich sein. Aber natürlich haben nach der Wende auch sehr viele Ostdeutsche genossen, eine größere Auswahl zu haben und sich alles kaufen zu können, was man wollte und brauchte. Aber im Zuge dessen verschwand auch eine ganze Identität, alles wurde neu und schön, das Vertraute entsorgt. Ich empfinde das im Nachhinein als sehr radikal und genieße kleine „ostige“ Impressionen und alte Gegenstände- aber nicht, weil ich die DDR zurück will, sondern weil es die Athmossphäre und das Gefühl der Kindheit ist und eine alte, vertraute Welt, die einfach abgeschafft und ausgetauscht wurde. Wäre ich im Süden aufgewachsen, würden Palmen und Strand dieses Gefühl auslösen, es ist also keine politische Nostalgie, sondern eine ästhetische.

Meine Erfahrungen als „Ossi“

Bis heute treffen mich abwertende Aussagen, wenn über das Alltagsleben in der DDR herablassend gelacht wird. Während einer Exkursion von der Uni, als wir in dem Gebäude der Stasi-Unterlagen waren (bekannt als Gauck/Birthler-Behörde), haben meine westdeutschen Kommilitonen in den originalgetreuen DDR-Büros vor allem darüber gelacht, wie hässlich alles aussieht – während ich trotz der beklemmenden Geschichte ein heimeliges Gefühl hatte, da ich die vertraute Athmossphäre meiner Kindheit genossen habe. Solche und andere Reaktionen, die DDR-Bürger wegen Materiellem/Äußerlichen ins Lächerliche ziehen, empfinde ich als respektlos und verletzend. Wir waren doch keine schlechteren Menschen, nur weil wir weniger schöne Alltagsgegenstände hatten und keinem Konsumzwang verfallen konnten.

Ich bin erst im Westen zum Ossi geworden, als ich zum Studieren in eine andere Stadt gezogen bin. Bis dahin habe ich nie in Ost-West-Kategorien gedacht. Auf einmal war ich ein Ossi und andere waren dementsprechend Wessis – das war neu für mich, denn in Berlin habe ich nie diese Schubladen verwendet, auch wenn ich „Wessis“ kennengelernt habe; das war nie ein Thema, das war ganz unbewusst einfach egal. Und auf einmal werfen mir Gleichaltrige vor „Wir haben Euch doch das Geld in den Arsch geschoben“ oder haben Mitleid mit mir: „Das find ich ganz toll, dass Du hergekommen bist!„. Oder ich wurde gefragt: „Wo seid ihr denn nach der Wende hingezogen?“. Das war alles recht seltsam und auch deprimierend; aber ich muss dazu sagen, dass es auch eine kleine Stadt ist, wo viele vom Land kommen und wahrscheinlich einfach die Vorurteile ihrer Eltern reproduziert haben – und nicht einmal wussten, dass auch Ossis den Solidaritätsbeitrag zahlen.

Mein Rückblick und mein Fazit

Der Nationalsozialismus wurde bis heute nicht richtig aufgearbeitet, auch wenn viele Reportagen im Fernsehen laufen. Es wurde verdrängt, verborgen und Täter geschützt. Viel Unrecht ist bis heute nicht aufgearbeitet. Juristisch wie gesellschaftlich. Die gesellschaftliche Aufarbeitung ist schwierig, ebenso in Bezug auf in der DDR begangenes Unrecht. Sie muss immer differenziert erfolgen, ohne pauschale Verurteilung und ohne Verdrängung. Ich habe in der 12. Klasse erfahren, dass es Stasi-Gefängnisse gab, in denen gefoltert und getötet wurde. Ich habe dann die Gedenkstätte Hohenschönhausen besucht, die vielleicht 10 Kilometer entfernt war. Ich habe Vorträge über andere Stasigefängnisse besucht und war geschockt. Nicht zuletzt darüber, dass ich nichts davon wusste. Deswegen plädiere ich für unbürokratische Aufklärung und vor allem Bildungskonzepte. Gleichzeitig aber auch für Respekt vor Ostdeutschen. Pauschalurteile und -abwertungen sind zu bequem, um einer Wahrheitsfindung zu dienen. Und andere abzuwerten, um sich selbst aufzubauen, ist genauso blind. Zwar können wir als Deutsche dankbar sein, nicht (mehr) in einer Diktatur zu leben, aber auch unsere Gegenwart ist voller politischer und gesellschaftlicher Ideologien, und auch „bei uns“ wird unterdrückt, ausgegrenzt und Unrecht begangen, nur auf anderen Wegen und nicht offenkundig kriminell. Zu sagen, die DDR war schlecht, genügt dann nicht, wenn man unkritisch der eigenen Wirklichkeit gegenübersteht. Vergangenheiten, und gerade die schlimmen, sollten dazu dienen, die Freiheit der Menschen zu schätzen und für sie zu kämpfen. Eine selbstgefällige Feststellung, dass „die da drüben“ alles falsch gemacht haben, führt in die Irre, wenn man auch die eigene Gegenwart nicht infragestellt.