Alte Obst- und Gemüsesorten entdecken

SilkRoadProject(1)Das Angebot in Supermärkten ist zwar groß, aber recht monoton. In Deutschland gibt es ca. 2.000 Apfelsorten – mit viel Optimismus findet man im normalen Handel vielleicht 10 – und immer die gleichen. Das ist nur ein Beispiel. Auch Kartoffeln bieten eine unheimliche Vielfalt – 210 Sorten sind in Deutschland zugelassen. Uns entgeht so vieles durch die Normierung und Vereinheitlichung der Kosmumwelt: Nicht nur geschmacklich ist es lohnenswert und interessant, auf die Suche nach neuen, alten Obst- und Gemüsesorten zu gehen. Auch für die Natur ist es ein guter Beitrag, regionale, kleine Obst- und Gemüsebauern zu unterstützen. Die Natur lebt von Artenvielfalt, das ist das Geheimrezept ihres Funktionierens – und genau das zerstören Menschen leider.

Alte Nutzpflanzen – Geschichtenerzähler und Kulturgut

Kulturell sind alte Obst- und Gemüsesorten ein zu bewahrender Schatz. Die Sorten erzählen Geschichten und laden ein zu einer nicht nur kulinarischen Reise in die Vergangenheit.

Ich habe gerade den Apfel „Ingrid Marie“ entdeckt 😉 – zwar gar keine so alte Sorte, denn es gibt sie „erst“ seit 100 Jahren, aber mir dennoch bis dahin unbekannt. Ingrid Marie hat mich in einem Hofladen angelächelt – erst wegen ihrer tollen Farben und den schönen Sprenkeln und Streifen, dann wegen des lustigen Namens. Und das ist sie:

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Ingrid Marie wurde vor ca. 100 Jahren als Zufallssämling in Dänemark entdeckt und von dem Lehrer, auf dessen Hof der Baum Früchte trug, nach dessen Tochter Ingrid Marie benannt. Es ist ein aromatischer Herbstapfel und duftet extrem intensiv und lecker nach Apfel, ohne dass man ihn anschneiden muss. Das Fruchtfleisch ist eher mehlig und ich habe ein wunderleckeres und schön sämiges Apfelmus daraus gekocht.

Schon die Namen zeugen von der Vielfalt … und regen zum Nachlesen an:

Mir macht ja allein schon das Lesen der Namen und Porträts alter Sorten Spaß 🙂 und ich würde sie am liebsten alle probieren:

Interessante Apfelsorten:

Weißes Seidenhemdchen, Pommerscher Krummstiel, Geflammter Kardinal, Geheimrat Breuhahn, Schlesischer Lehmapfel oder Der Schöne aus Haseldorf – ich könnte noch eine Weile so weitermachen 😉

Interessante Kartoffelsorten:

Bamberger Krumbeere, Rosa Tannenzapfen, Blaue Anneliese, Augsburger Gold und Heiderot – ja, es gibt rote und blaue Kartoffeln und der Geschmack ist eine Offenbarung. Es lohnt sich wirklich, Kartoffeln mal pur und für sich zu essen. Rote Kartoffeln (nicht Süßkartoffeln) habe ich schon probiert. Ein Traum!!

Regionale Vielfalt unterstützen – bewusst einkaufen

Der Vorteil dabei, alte oder unbekannte Obst- und Gemüsesorten zu entdecken, ist nicht nur ein kulinarischer. Auch unter ökologischen Aspekten ist es sinnvoll, regionale und nachhaltig angebaute Lebensmittel zu kaufen. Das ist ein Statement gegen immer gleiche und normierte Einheitsware – und eine handfeste Unterstützung für Obst- und Gemüsebauern abseits des Mainstreams. Wir brauchen keine Äpfel aus Chile oder Bio-Obst aus Frankreich, wir brauchen Streuobstwiesen (!!!), Öko-Gärtnereien und Vielfalt! Die Natur dankt es uns – und wir haben einiges wieder gut zu machen. Sogar unser Obst und Gemüse wird genormt und patentiert. Es gibt Sortenmonopole, und alles andere geht nach und nach verloren. Bewusstes Einkaufen ist möglich!

Bezugsquellen für seltenes Obst und Gemüse

Es ist gar nicht so schwer, an alte und besondere Obst- und Gemüsesorten zu kommen. Und es gibt auf jeden Fall viel zu entdecken!

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Hofläden

Es gibt eigentlich in allen Regionen und auch Städten immer mehr Hofläden. Auf dem Land sind es private oder an einem landwirtschaftlichen Hof angesiedelte Läden, in der Stadt Geschäfte mit entsprechenden regionalen Produkten. Neben Gemüse und Obst gibt es meist auch Marmeladen, Eingemachtes, Backwaren, Öle, Essig, Kräuter usw. Preislich habe ich momentan keinen Unterschied zum normalen Supermarkt festgestellt: Ein Kilo bio-Äpfel in Demeter-Qualität für 2,49€, genauso viel wie im Supermarkt, nur ohne deren Vorteile 😉

Bio-Läden

Auch in Bioläden kann man fündig werden, allerdings immer Augen auf – Bio-Obst aus Übersee ist nicht unbedingt so bio, wie es gut wäre 🙂 aber auch die Bioläden haben oft Obst und Gemüse regionaler Kleinbauern im Angebot.

Bio- oder Wochenmarkt

Erklärt sich eigentlich von selbst und hat den Vorteil, dass man sich so richtig inspirieren lassen und u.U. auch mit den Erzeugern direkt sprechen kann.

Supermarkt

Auch im Supermarkt, vor allem in kleineren Filialen, kann man Glück haben, auf regionales Obst und Gemüse abseits des sonst üblichen Angebots zu treffen.

Abo-Kisten

Eine wirklich tolle Sache sind Abokisten: Hier bekommt man von Biobauern oder entsprechenden Zwischenhändlern regelmäßig im Abo frisches, saisonales und ökologisches Obst und Gemüse nach Hause geliefert. Ich hatte so eine Kiste letztes Jahr abonniert und war begeistert! Hier lest ihr meinen Bericht dazu

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Internet

Hier ein paar Links zu Bezugsquellen alter und besonderer Obst- und Gemüsesorten (über weitere Tipps würde ich mich freuen!):

Weitere Infos und Artikel

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Ein Kommentar zu “Alte Obst- und Gemüsesorten entdecken

  1. […] Besonders aromatisch und lecker sind rote Kartoffeln. Ausprobieren lohnt sich! Und mit dem Kauf alter, seltener Gemüse-Sorten unterstützt man die wichtige Artenvielfalt und ökologische […]

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